Montag, 2. März 2009

Kein Licht- kein Ausweg- keine Hoffnung




Kein Licht- kein Ausweg- keine Hoffnung

Als im April 1967 unsere kleine Tochter starb, erreichten meine Schuldgefühle ihren absoluten Höhepunkt.
Warum hatte ich nichts gehört? Eine gute Mutter hört, wenn ihr Kind schreit. Später sagte mir ein Arzt: Vielleicht gab es nichts zu hören? 30 Jahre lebte ich mit einer Schuld, die vielleicht gar keine gewesen war? 30 Jahre verdrängte ich hartnäckig jeden Gedanken an damals...
Darin bestand neben Beruf, Haushalt, Ehe, Kindererziehung und Hausbau meine Haupttätigkeit. Der Tinnitus- damals noch ärgster Feind- brachte es schließlich fertig, mich aufzurütteln. Mit seinen schrillen Tönen alarmierte er meinen Körper. Dieser reagierte prompt. Eine Krankheit folgte der anderen.
Eines Tages hatte ich keine Kraft mehr zum Verdrängen. Ich musste Trauerarbeit leisten. Es war sehr, sehr schwer, nach so langer Zeit des Schweigens.
Tränen sind dabei ganz wichtig. Sie müssen geweint werden. Darüber sprechen ist eine weitere wichtige Möglichkeit. Immer etwas mehr. Jedesmal etwas intensiver. Heute, während ich diese Zeilen schreibe, kann ich es nur wieder bestätigen: Es ist nicht gut, alles allein mit sich ausmachen zu wollen. Es bedeutet eine große Erleichterung, mit einem Vertrauten, einem Arzt, Therapeuten oder einem guten Freund zu sprechen.
Mir ging es schrittweise etwas besser, indem ich mich meiner Angst stellte und nicht mehr vor ihr davonlief.

Kommentare:

  1. Es ist schwer sich in diese Situationen hienein zuversetzen. In der Familie meines Schwagers hatten wir einen ähnlichen Fall, nur war ich zu dieser Zeit wieder schwanger, freute mich auf mein Baby und konnte die Trauer nur teilweise fühlen. In meine Beruf trosten wir aber viele Hinterbliebene, die plötzlich einen Menschen verloren haben und nicht mehr weiterwissen. Ich bin in diese Aufgabe hineingewachsen und muß oft mitweinen, weil ich so stark mitfühle. Ich verweise die Hinterbliebenen auch an Hilfsorganisationen, da sind geschulte Kräfte die gezielt helfen können. Ich denke, daß ich stark genug bin. Habe den Tod meines ersten Mannes mit 32 Jahren auch ohne Hilfe verarbeitet.Weiß aber aus Erfahrung anderer mir nahestehender Personen, daß es da ohne Therapie nicht gegangen wäre. Manchmal braucht man Hilfe und sollte Sie auch annehmen.

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  2. Liebe Elke, danke, dass du hier warst auf meinem Blog. Damals- musste ich nur durch- hatte ja noich petra, die grad mal 2 jahre alt war, mein Mann bei der NVA, es waren unendlich viele jahre, bis ich die Trauer zuließ.
    Du hast recht, wenn man es selbst erlebt hat, kann man- mit Worten helfen oder mit gesten. und wnn es MItweinen ist. Danke!

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