Kein Licht- kein Ausweg- keine Hoffnung
Als im April 1967 unsere kleine Tochter starb, erreichten meine Schuldgefühle ihren absoluten Höhepunkt.
Warum hatte ich nichts gehört? Eine gute Mutter hört, wenn ihr Kind schreit. Später sagte mir ein Arzt: Vielleicht gab es nichts zu hören? 30 Jahre lebte ich mit einer Schuld, die vielleicht gar keine gewesen war? 30 Jahre verdrängte ich hartnäckig jeden Gedanken an damals...
Darin bestand neben Beruf, Haushalt, Ehe, Kindererziehung und Hausbau meine Haupttätigkeit. Der Tinnitus- damals noch ärgster Feind- brachte es schließlich fertig, mich aufzurütteln. Mit seinen schrillen Tönen alarmierte er meinen Körper. Dieser reagierte prompt. Eine Krankheit folgte der anderen.
Eines Tages hatte ich keine Kraft mehr zum Verdrängen. Ich musste Trauerarbeit leisten. Es war sehr, sehr schwer, nach so langer Zeit des Schweigens.
Tränen sind dabei ganz wichtig. Sie müssen geweint werden. Darüber sprechen ist eine weitere wichtige Möglichkeit. Immer etwas mehr. Jedesmal etwas intensiver. Heute, während ich diese Zeilen schreibe, kann ich es nur wieder bestätigen: Es ist nicht gut, alles allein mit sich ausmachen zu wollen. Es bedeutet eine große Erleichterung, mit einem Vertrauten, einem Arzt, Therapeuten oder einem guten Freund zu sprechen.
Mir ging es schrittweise etwas besser, indem ich mich meiner Angst stellte und nicht mehr vor ihr davonlief.